Der JugendHilfeVerein hat sich im Besonderen diesem Bereich der Sozialen Arbeit verschrieben. Seit 1992 verfolgt die Jugendgerichtshilfe des Landkreises Vechta verstärkt den Grundgedanken des damals novellierten Jugendgerichtsgesetzes, ambulante Maßnahmen im Jugendgerichtsverfahren zur Anwendung zu bringen. Der Soziale Trainingskurs wurde eingerichtet und weiterentwickelt, ebenso weitere pädagogische Angebote, die im Folgenden näher dargestellt werden. Der JugendHilfeVerein versucht, Angebote zu initiieren oder zu unterstützen.

 

Was ist Jugendgerichtshilfe?

Die Jugendgerichtshilfe gehört zu den gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsangeboten des Jugendamtes. Sie wird immer dann tätig, wenn ein Jugendlicher (14-17 Jahre) oder ein Heranwachsender (18-20 Jahre) eine Straftat begangen hat. Die Jugendgerichtshilfe begleitet den Jugendlichen bzw. Heranwachsenden in der Gerichtsverhandlung und bringt die pädagogischen und sozialen Gesichtspunkte zur Sprache. Gerade im Jugendstrafverfahren werden die Persönlichkeitsentwicklung und die aktuelle Lebenssituation berücksichtigt. So gibt die Jugendgerichtshilfe wichtige Entscheidungshilfen zur Urteilsfindung, damit pädagogische Aspekte angemessen beachtet werden.Da im Jugendstrafverfahren die erzieherische Wirkung im Vordergrund stehen soll, macht die Jugendgerichtshilfe Vorschläge zu den richterlichen Ahndungen und erzieherischen Hilfen. Auch wird sie in außergerichtlichen Ermittlungsverfahren der Diversionen tätig.

Die Diversion (wörtl. „Umleitung“) ist ein Mittel der Staatsanwaltschaft, bei Ersttätern bzw. leichten und mittelschweren Delikten von einem gerichtlichen Verfahren abzusehen. Damit ist in der Regel die Verhängung erzieherischer Maßnahmen verbunden, wie beispielsweise die Heranziehung zu gemeinnützigen Arbeiten. Zweck der Diversion ist es, Stigmatisierung des Täters zu vermeiden und die Entlastung der Gerichte von Bagatellfällen. Besonders im Jugendstrafrecht findet diese Möglichkeit, von der Strafverfolgung gänzlich abzusehen (§ 45 JGG) sowie die Verfahrenseinstellung (§ 47 JGG) ggf. nach einer erzieherischen Maßnahme häufige Anwendung.Die Jugendgerichtshilfe kann dazu beitragen, vorhandene persönliche Probleme oder familiäre, schulische und berufliche Schwierigkeiten zu mindern. Dazu bietet sie zur Vermeidung weiterer Straftaten unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten an. Dieses können Einzelbetreuungen, Soziale Trainingskurse, Anti-Gewaltmaßnahmen, Verkehrsunterricht, Schulungs- und Freizeitmaßnahmen, Täter-Opfer-Ausgleich/Opferfond bzw. Arbeitsstunden sein. Bei besonderen Schwierigkeiten wie z. B. Schulden oder Suchtmittelmissbrauch/FreD werden Hilfen angeboten.

 

Was ist ein Sozialer Trainingskurs?

Der Soziale Trainingskurs ist ein Angebot der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Vechta, derzeit in Kooperation mit dem Stellwerk Zukunft, einem Träger der freien Jugendhilfe aus Vechta. Ziel ist es, auf straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende erzieherisch einzuwirken, um die aktuelle Lebenssituation der Teilnehmer zu stabilisieren und Zukunftsperspektiven zu entwickeln, um ein straffreies Leben zu ermöglichen. Hierzu treffen sich die Teilnehmer zweimal in der Woche zu einem Gruppenabend sowie zu einem Sportabend. Außerdem bieten wir eine siebentägige erlebnispädagogische Maßnahme im Harz sowie Wochenendveranstaltungen z.B. Besuch der Jobmesse, Videokurse, Besuch der Arrestanstalt, usw. an. Die Teilnehmergebühren sowie Sachkosten können vom JugendHilfeVerein übernommen werden. Es können männliche Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 14 bis 20 Jahren teilnehmen. Die Kursangebote finden im Frühjahr in Damme (Südkreis) sowie im Herbst in Vechta (Nordkreis) statt und dauern 6 Monate. Begleitet werden diese von Sozialpädagogen/innen der Einrichtung Stellwerk Zukunft. Weitere Infos finden Sie im Flyer des Sozialen Trainingskurs „Auf machen“.

 

Schulungs- und Freizeitmaßnahme: “Verstehen durch Begegnung“

In der Schulungs- und Freizeitmaßnahme der Jugendbildungsstätte Haus Maria Frieden in Wallenhorst/Rulle treffen sich einmal im Jahr in den Osterferien insgesamt ca. 20 straffällig gewordene Jugendliche sowie nicht straffällig gewordene Jugendliche im Alter von 15 – 17 Jahren für eine Woche in der Jugendbildungsstätte. In den Osterferien soll Zeit sein, Abstand zur alltäglichen Lebensrealität zu gewinnen und die eigene Situation in den Blick zu nehmen. Die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen in einer Gruppe von straffällig und nicht straffällig gewordenen Jugendlichen mit fachkundiger Begleitung soll einen Beitrag dazu leisten, Orientierung für den weiteren Lebensweg zu finden. Die Teilnehmer/innen beschäftigen sich in Gruppen mit jugendtypischen Themen wie Liebe, Freundschaft, Sexualität, Zukunft, Gewalt sowie Straffälligkeit. An diesem intensiven gruppenpädagogischen Angebot können Mädchen sowie Jungen teilnehmen. Die Kosten hierfür können vom JugendHilfeVerein übernommen werden. Weitere Infos finden Sie im Flyer „Verstehen durch Begegnung“.

 

Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich?

Ein Täter-Opfer-Ausgleich ist eine Möglichkeit, einen Konflikt mit Hilfe eines Mediators (Vermittler) direkt zu bereinigen. Die Konfliktparteien werden vor einem sogenannten Ausgleichsgespräch, in dem die Form der Wiedergutmachung (Schmerzensgeld, Schadenswiedergutmachung, usw.) ausgehandelt wird, beraten und informiert. In Straf- und Ermittlungsverfahren hat die Jugendgerichtshilfe die Möglichkeit, zu jedem Zeitpunkt eines Verfahrens einen Täter-Opfer-Ausgleich anzuregen. In 2014 konnte sich ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe des Landkreis Vechta zu einem Mediator in Strafsachen fortbilden. Weiter Infos finden Sie im Flyer Täter-Opfer-Ausgleich.

 

Was ist ein Opferfond?

Der Opferfond speist sich aus Bußgeldern des Amtsgerichtes in Jugendgerichtsverfahren sowie Spenden und Fördergeldern an den JugendHilfeVerein. Aus dem Opferfond werden Gelder an Geschädigte gezahlt, wenn die Beschuldigten finanziell nicht in der Lage sind, Schmerzensgeld oder Schadenswiedergutmachungen zu leisten. Damit Beschuldigte den Opferfond in Anspruch nehmen können, müssen sie sich die Zahlung in Form von gemeinnütziger Arbeit „erarbeiten“. So kann ein Täter-Opfer-Ausgleich für die Geschädigten zufriedenstellender gelingen, da diese nicht „nur“ eine Entschuldigung erhalten, sondern auch ein Schadensausgleich stattfindet.

 

Hilfen bei Suchtmittelmissbrauch! (FreD)

Der JugendHilfeVerein bietet jungen Menschen Hilfe in Zusammenarbeit mit der Suchtberatungsstelle des SKM (Sozialdienst Katholischer Männer e.V.) in einem sogenannten FreD-Kurs an. FreD bedeutet:“ Frühintervention bei erstauffälligen Alkohol- und Drogenkonsumenten“. Der Kurs soll jungen Menschen helfen im Rahmen eines Gruppenkurses, der durch Suchtberater/innen begleitet wird, den eigenen Suchtmittelkonsum zu reflektieren und einzuschätzen. Sie werden über die Gefahren von Suchtmitteln aufgeklärt. Die Teilnahme kann freiwillig, aber auch in Form einer verpflichtenden Weisung erfolgen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Erstgespräch bei der Suchtberatungsstelle. Weitere Infos finden Sie im Flyer zum Projekt FreD.